Philosophie

Herbstharmonie

Was macht eine HiFi-Anlage zu einer guten Kette?

Die "nackte" Qualität der Einzelbausteine, isoliert betrachtet, reicht dafür zunächst nicht aus. Entscheidend ist die Kombination gleichwertiger Komponenten, deren Fähigkeiten sich nicht nur ergänzen, sondern vor allem sich nicht durch unterschiedliche Ansätze gegenseitig ausbremsen.

Die alte Idee, man nehme zu einer hell timbrierten Box einfach einen dunkel klingenden Verstärker/CD-Player/Tonabnehmer/Kabelsatz bringt zwar im ersten Moment etwas mehr tonale Ausgewogenheit in die Sache, aber wirklich stimmig wird eine Kette so nie: Die verschiedenen Eigenarten sind niemals invers deckungsgleich und heben sich damit auf, nein, einmal an einer Stelle der Gesamtkonzeption gemachte Fehler bleiben auf jeden Fall erhalten, verschiedene Fehler addieren sich sogar, wenn es um Disziplinen wie Räumlichkeit, Impulsverhalten und "Echtheit" geht.
Bei der Zusammenstellung Ihrer eigenen Kette legen wir größten Wert darauf, diesen circulus vitiosus aufzubrechen - auch wenn es manchmal weh tut, da das eine oder andere vorhandene Gerät dann einfach nicht zu halten ist.
Das zur Komplettierung verwandte "Zubehör" ist auch ausschließlich dazu da, die Geräte in Ihrer optimalen Qualität arbeiten zu lassen, d.h. die Umgebungsparameter wie elektrische, mechanische, optische und akustische Einflüsse zu minimieren.
Bei dieser Vorgehensweise ergibt sich aus den genau passenden Puzzleteilen letztlich eine echte "High Fidelity"-Anlage, eine Wiedergabekette, die genau das tut, was man von ihr möchte: die Musik von dem benutzten Tonträger in möglichst unveränderter Art und Weise zu Gehör zu bringen.

Was ist ein "gutes" HiFi-Gerät?

Diese scheinbar so einfache Frage stellt viele Kunden vor nicht einfach zu bewältigende Probleme.
Zunächst könnte man zwar versuchen, sie mit Hilfe der zahlreichen HiFi-Fachzeitschriften zu lösen - gut ist das Gerät, das in seiner Preisklasse am meisten Punkte/Sterne/Prozente erhält. Da aber die Vergabe dieser Noten sehr undurchschaubar ist, ergibt sich hier nur eine unvollständige und wenig aussagekräftige Marktübersicht: Man denke nur mal daran: Welcher Redakteur hat wann mit welcher Kette und mit welchen Vergleichsgeräten diese Einstufung vorgenommen? Welche Kriterien waren ihm dabei wichtig? Welche Aufnahmen hat er dazu herangezogen? Selbst bei besten Vorsätzen, ohne materielle Interessen in Sachen Werbeverträgen, läßt sich hier kaum eine sinnvolle Vergleichbarkeit erzeugen.

Also weiter: Man sucht sich aus diesen Listen drei, vier, fünf Geräte heraus und versucht diese im Fachhandel "live" zu finden - möglichst alle nebeneinander, vielleicht sogar in einer ansonsten ordentlichen Kette. Was passiert dann aber z.B. mit einem im Wortsinne neutralen Verstärker, der von einer nur mittelmäßig geeigneten Quelle gespeist an einer in Teilbereichen fehlkonstruierten Box seine Qualitäten zeigen soll? Er wird eher "seltsam" klingen - denn was soll er denn anderes verstärken als das, was man ihm liefert. Der Mitbewerber mit dem eingebauten Groove/Sound/Pep dagegen liefert diese Eigenschaft immer irgendwie ab - schon fällt der vielleicht "beste" Verstärker durch das Raster. Genauso ergeht es ihm, stellt man ihn in ein nicht adäquates Umfeld - Netzversorgung, Aufstellung im Rack, Verkabelung, Musikauswahl usw.
Das Vorhaben wird also sehr schnell undurchführbar - vielleicht hatte man ja auch schon in der Vor-Auswahl das "richtige" Gerät gar nicht auf den Plan gesetzt.
Wie sollte man also vorgehen?
Zunächst ist die Definition von "gut" für die weitere Suche entscheidend. Wir bieten Ihnen dabei schlicht und ergreifend folgende an:

GUT ist ein HiFi-Gerät dann, wenn es im Wortsinne des HIGHFIDELITY-Gedankens funktioniert. D.h., jede Art von Veränderung des ursprünglich auf dem Tonträger vorhandenen Signals ist SCHLECHT, das BESTE Gerät verändert das Signal am wenigsten.

Wie aber können Sie das erkennen?

Schließlich weiß niemand, was wirklich auf einer beliebigen CD/SACD/LP an Signal gespeichert ist!
Hier gibt es zum Glück eine ganz einfache Methode: Es existieren keine zwei wirklich identisch klingenden Aufnahmen unter all den Abermillionen von aufgezeichneten Musikgeschehnissen. Geht man also einfach mit einer gewissen Bandbreite an Tonträgern auf eine HiFi-Kette zu, wird die am besten abschneiden, die diese willkürliche Auswahl am unterschiedlichsten darzustellen vermag.
Das betrifft zunächst die Tonalität, die Verzerrungsfreiheit, dann aber natürlich auch Dynamik, Fluß und Räumlichkeit. Es ist schlicht nicht zu erwarten, daß sich ein in einer Kirche aufgenommener Chor an der gleichen Position abbildet wie eine direkt vor dem Mikrofon im Studio stehende Sängerin. Ein Klavier klingt einfach anders wie eine E-Gitarre - aber jede Klavieraufnahme klingt ebenso wieder völlig anders wie jede beliebige andere Aufnahme dieses Instruments.
HighFidelity kann also eines leisten: Es kann den Zuhörer an die künstlerische Idee des Musikers/Toningenieurs/Abmischers heranführen, ihn deren Gesamtwerk, diese Komposition möglichst unverändert erfahren lassen. Was HiFi nicht kann, ist auch klar: Die Illusion des absoluten Dabeiseins bei einem musikalischen Ereignis wird immer illusionär bleiben, keine Anlage der Welt wird zu 100% das spielende Musikinstrument - sie wird nur die vorhandene Aufzeichnung in ihrer Räumlichkeit und Spannung, Intensität und Lebendigkeit darstellen - soweit eben vorhanden.
Die Entscheidung, ob ein bestimmtes Gerät für den Kaufinteressenten richtig ist, läßt sich also recht schnell finden:
Beherrscht es die oben aufgeführten Disziplinen? (Wie gesagt: Je differenzierter, desto richtiger) Liegt das Gerät preislich innerhalb der realisierbaren Reichweite? (Leider sind die besseren Geräte meist auch die teureren - ob der Grad der qualitativen Steigerung im Gesamtkonzept Sinn macht, muß allerdings immer im Einzelfall entschieden werden) Harmoniert es mit den vorhandenen/zukünftig zu beschaffenden Komponenten? (Was hilft der tollste Verstärker an einer schlechten Quelle?)
Die beste Methode, diese Fragen zu beantworten, ist der Vergleich mit einer wirklich guten (im obigen Sinne) Anlage - hören Sie sich ruhig mal einige Ketten an, deren Preis jenseits Ihrer Vorstellungen liegt, gehen Sie dabei genauso vor, wie geschildert, und checken Sie dann das für Sie interessante Produkt innerhalb dieser Kette darauf ab, wie groß die Veränderung ist, die durch den Austausch hervorgerufen wurde. Haben Sie auch keine Angst vor Musik, die Sie nicht kennen (Zitat: Da weiß ich ja gar nicht, wie es klingt! ) Erstens wissen Sie das wahrscheinlich ohnehin nicht - Sie wissen bestenfalls, was Ihre bisherige Kette aus der Scheibe herausgeholt hat. Zweitens genügt es ja zunächst, den Grad der Unterschiedlichkeit gegenüber den anderen gehörten Beispielen herauszuhören - dudelt alles gleichartig vor sich hin, sitzen Sie einfach auf dem falschen Dampfer. Drittens sollte man bedenken, daß sich der Mensch im Laufe seines Lebens verändert - oder hören Sie heute noch immer die gleich Musik wie vor fünf oder zehn Jahren? Eine gute HiFi-Anlage sollte Sie auf jeden Fall befähigen, auch neue Arten von Musik zu entdecken - gerade auch die, die für Sie früher unzugänglich war.
Wenn Sie dann nach einiger Zeit merken, daß Sie sich nicht mehr über die HiFi-Geräte Gedanken machen, die da vor Ihnen stehen, daß das ganze Technik-Gelaber mit all seinen Leistungen, Klirrfaktoren, Schwingspulen, Samplingfrequenzen usw. Sie gar nicht mehr interessiert, sondern Sie nur noch immer mehr und neue Musik hören wollen, dann haben Sie das gefunden, was Sie gesucht haben.
Eine wirklich gute Kette ist nur ein Mittel zum Zweck:

Sobald die Musik läuft, interessiert es nicht mehr, womit sie zu Gehör gebracht wird.